Allgemein- und Viszeralchirurgie

Zentrum für Hernienchirurgie – vom Kleinkind bis zum Senior

Unter einer Hernie (lat. hernia von griechisch hernios „Knospe“) versteht man den Austritt von Eingeweiden aus der Bauchhöhle durch eine angeborene oder erworbene Lücke in den tragenden Bauchwandschichten. In unserer chirurgischen Klinik werden jährlich etwa 600 bis 700 Patienten mit Leistenhernien, Femoralhernien, Nabelhernien und Narbenhernien operativ versorgt. Patienten mit erst- oder mehrmaligem Hernienrezidiv sind dabei überproportional häufig vertreten. Das individuelle Therapiekonzept richtet sich nach dem Alter des Patienten, seiner körperlichen Aktivität, der Größe der Hernie, Primär- oder Rezidivhernie und schließlich danach, ob eine einseitige oder doppelseitige Leistenhernie vorliegt.

Merkblatt: "Nach Leistenoperationen bitte beachten"

Folgende Operationsmethoden kommen zum Einsatz:

Kindliche Leistenhernie

Ambulante Operation nach Gross ohne Verstärkung der Hinterwand des Leistenkanals
Bei Kindern liegt keine Bauchwandschwäche vor, vielmehr ist eine Verklebung des Leistenkanals während der Embryonalentwicklung ausgeblieben. Deshalb ist eine Verstärkung der Hinterwand des Leistenkanals nicht erforderlich. Es genügt die Durchtrennung des Bruchsackes.

Junge Erwachsene mit primären Hernien

Operation nach Shouldice
Der Leistenbruch des Erwachsenen entsteht im Rahmen einer meist vererbten Bindegewebsschwäche der Bauchwand. Deshalb ist eine Verstärkung der Hinterwand des Leistenkanals erforderlich, z.B. durch eine fortlaufende Nahtreihe mit nichtresorbierbarem Nahtmaterial nach der Resektion des Bruchsackes.

Ältere Erwachsene mit einseitiger Leistenhernie 

  • Operation nach Shouldice 
    Kleine indirekte Leistenhernie entlang des Leistenkanals
  • Endoskopisch-laparoskopischer Bruchpfortenverschluss mit präperitonealer Netzverstärkung
    Mikroinvasiver endoskopischer Zugang zur Leistenregion und Verstärkung der Hinterwand des Leistenkanals mit einem polypropylenreduzierten Netz, welches zu fünfzig Prozent aus resorbierbaren Fäden und zu fünfzig Prozent aus nicht-resorbierbaren Prolenefäden besteht (z.B. Ultra pro-Netz).
  • Operation nach Lichtenstein
    Die Operation kann eventuell in Lokalanästhesie durchgeführt werden. Die Netzimplantation erfolgt über einen Leistenschnitt auf der Faszie des Musculus obliquus internus. Das Netz wird mit fortlaufender Naht am Leistenband und auf der Muskelfaszie fixiert. 

Doppelseitige Leisten- bzw. Femoralhernien und Hernienrezidive

Endoskopisch-laparoskopischer Bruchpfortenverschluss mit Verstärkung durch polypropylenreduzierte Netze.Der endoskopisch-laparoskopische Zugang gestattet die gleichzeitige Versorgung auch doppelseitiger Leisten- und Schenkelhernien ohne Verlängerung des Krankenhausaufenthaltes.

Vorteile einer endoskopisch-laparoskopischen Hernienversorgung

  • kurzer Krankenhausaufenthalt
  • gleichzeitige Möglichkeit der Versorgung doppelseitiger Hernien
  • ideale sichere Versorgung von
  • Rezidivhernien unabhängig von der Häufigkeit vorausgegangener konventioneller Leistenbruchoperationen Rezidivhäufigkeit geringer als ein Prozent
  • frühzeitige volle Belastbarkeit der operierten Hernie
  • geringer postoperativer Schmerzmittelbedarf

In unserem Zentrum für Hernienchirurgie mit überregionalem Einzugsgebiet wurden bislang mehr als 7.000 Hernien laparoskopisch versorgt. 

  • Fasziendopplung nach Mayo
    Versorgung kleiner und primärer Narbenhernien durch doppelte Nahtreihen nach Resektion des Bruchsackes und Anfrischen der Faszienränder nach Mayo 
  • Endoskopisch- laparoskopischer Bruchlückenverschluss mit präperitonealer Netzverstärkung
    Vorgehen wie bei der Versorgung von Leistenhernien. Ideale Möglichkeit des Verschlusses von Narbenhernien nach Gallenblasenoperationen, Appendektomien und gynäkologischen Operationen wie Kaiserschnittentbindung usw. 
  • Fasziendopplung und Verstärkung der Faszie durch ein nicht resorbierbares Netz in der Onlay- oder Sublay-Technik
    Ein 15 cm x 15 cm bis 30 cm x 30 cm großes Netz wird mit Nähten neben der Fasziendoppelung unter oder auf der Muskelfaszie fixiert. Durch diese zusätzliche Verstärkung der Bauchwand und geringer Zugkräfte an den Faszienrändern wird die Rezidivrate der Narbenhernien signifikant gesenkt. Die Patienten tragen nach der Operation drei bis sechs Wochen lang zusätzlich eine Leibbinde mit Klettverschluss. Danach ist volle körperliche Aktivität möglich. 

Zentrum für mikro-invasive Chirurgie: Endoskopisch-laparoskopische Verfahren

Es gibt nur wenige Entwicklungen, die die Medizin derart beeinflusst haben, wie die Bauchspiegelung, die Laparoskopie. Vor allem die Abdominalchirurgie, die Chirurgie des Bauchraums, hat sie revolutioniert. Diese endoskopische Technik ist Voraussetzung und Basis aller minimal-invasiven Eingriffe. Für die Laparoskopie wird ein kleiner Schnitt, 1,5 Zentimeter, am Nabelrand angelegt. Mit einer dünnen Kanüle wird der Bauchraum punktiert und dadurch Kohlendioxid in die Bauchhöhle geleitet. Dadurch hebt sich die Bauchdecke von den inneren Organen ab. So entsteht zum einen Raum, zum anderen entsprechende Sichtbedingungen. Anschließend wir die Kanüle durch ein dünnes Röhrchen (Trokar) ersetzt. Es hat ein Ventil zum Abdichten und ein zweites für die weitere Gas-Zuführung. Durch den Trokar wird die Optik in den Bauchraum (Abdomen) geführt, ein Stab von etwa 25 Zentimetern Länge und zehn Millimetern Durchmesser, mit einer Digital-Kamera am Ende. So können die Bilder aus dem Bauchinnern in siebenfacher Vergrößerung über einen Receiver auf einen Monitor übertragen werden. Zwei zusätzliche Trokare sind notwendig, um Darmanteile zu bewegen und die Operationsschritte durchzuführen. Am Ende der OP wird das Kohlendioxid abgelassen, die Trokare entfernt und die kleinen Einstichstellen verschlossen. Diesen Eingriff führen wir unter Vollnarkose durch, da das Auffüllen des Bauchraumes mit Gas zu einem Zwerchfellhochstand führt und damit die Atemleistung während der Operation beeinträchtigen würde. Die Vorteile der Laparoskopie sind zahlreich: weniger Schmerzen nach der OP, kürzerer Krankenhausaufenthalt, raschere Rehabilitation und ein schöneres kosmetisches Ergebnis.

Folgende Operationen führen wir endoskopisch-laparoskopisch durch:

Appendektomie (eingeführt: 1989)

In unserer Klinik bestimmt der Patient, ob wir seinen Wurmfortsatz (im Volksmund: Blinddarm) konventionell über einen Bauchschnitt entfernen oder endoskopisch-laparoskopisch. Letztere Operation gestattet auch die Diagnostik und sogar die gleichzeitige Therapie von anderen Ursachen der Unterbauchschmerzen, wie zum Beispiel Endometriose, Ovarialzyste, Hydatide, Verwachsungsstrang usw. Wir empfehlen die endoskopische-laparoskopische Appendektromie, denn dabei sind Komplikationen wie zum Beispiel Abszesse, Bauchfellinfekte oder Narbenhernien seltener als nach konventioneller Appendektomie. Etwa 95 Prozent aller Entzündungen des Wurmfortsatzes werden mikroinvasiv operiert.

Adhäsiolyse (eingeführt: 1990)

Beseitigung von Verwachsungen im Bauchraum, meistens nach vorangegangenen Operationen.

Cholecystektomie bei Gallenblasensteinen (eingeführt: 1991)

Die endoskopisch-laparoskopische Cholecystektomie gelingt bei über neunzig Prozent aller Patienten mit einer Gallenblasensteinbildung. Voroperationen im Unter- und Oberbauch bilden keine Kontraindikation. In der Regel ist sie auch bei Vorliegen einer akuten Gallenblasenentzündung (akute Cholecystitis) im Frühstadium möglich. Besteht eine Choledocholithiasis (Steineinklemmung in den ableitenden zentralen Gallengängen, zum Teil in Verbindung mit einer Gelbsucht) oder eine Papillenstenose (Vernarbung und Verengung des Schließmuskels des zentralen Gallengangs mit Gallerückstau), wird ein therapeutisches Splitting angewendet. Zunächst erfolgt über eine Spiegelung des Magen-Zwölffingerdarmes eine endoskopische Spaltung der Papille des Ductus choledochus (Hauptgallengang) mit eventueller Steinextraktion aus dem Gallengang (ERCP). Nach ein oder zwei Tagen wird die endoskopisch-laparoskopische Cholecystektomie (mikroinvasive Entfernung der Gallenblase) angeschlossen.

Vasektomie (eingeführt: 1994)

Sterilisation beim Mann, häufig in Kombination mit einer endoskopischen Leistenbruchoperation vorgenommen

Fundoplicatio (eingeführt: 1996)

Verschluss eines Zwerchfellbruchs bei Sodbrennen mit säurebedingter Entzündung der Speiseröhre

Magenfistel bei Ernährungsunmöglichkeit (eingeführt: 1996)

In seltenen Fällen gelingt die Anlage einer Ernährungsfistel über eine Magenspiegelung (PEG) auf Grund einer hochgradigen Stenose der Speiseröhre nicht, zum Beispiel bei Speiseröhren- oder Kehlkopfkrebs. In diesen Fällen kann die Ernährungsfistel endoskopisch-laparoskopisch angelegt werden.

Gastric Banding zur Gewichtsreduktion bei extremer Adipositas (eingeführt: 1996)

Die endoskopische Verkleinerung des Magens durch Implantation eines verstellbaren aufblasbaren Magenbandes führt durch Stimulierung der Dehnungsrezeptoren der Magenwand zu raschem Sättigungsgefühl. Das verstellbare Magenband, das unterhalb des Mageneingangs platziert wird, kann bei Bedarf wieder entfernt werden, ohne den Magen zu verstümmeln. Patienten mit extremem Übergewicht verlieren nach erfolgreicher Operation bei konsequentem Einhalten der Diät innerhalb eines Jahres bis zu vierzig Prozent ihres vorherigen Körpergewichtes. Für diese OP ist bei Mitgliedern einer gesetzlichen Krankenversicherung neben der Krankenhauseinweisung durch den Hausarzt eine Kostenübernahmegarantie der Krankenkasse erforderlich.

Colonresektion (eingeführt: 1992)

Gutartige Dickdarmerkrankung wie Divertikulitis, Polypen und sonstige entzündliche Darmerkrankungen sowie kleine bösartige Tumoren werden vornehmlich endoskopisch-laparoskopisch entfernt.

Tumoroperation – multimodale Therapiekonzepte, individuell und interdisziplinär

In unserer Klinik für Chirurgie behandeln wir sämtliche Tumoren des Magen-Darm-Traktes nach den Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft. Zudem haben wir in Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Tumorzentrum der Universität Essen „multimodale Therapiekonzepte“ entwickelt. Dabei kommen gleichzeitig unterschiedliche Behandlungsansätze, zum Teil auch aus anderen Disziplinen, zum Einsatz. Das interdisziplinäre Therapiekonzept wird auf jeden Patienten individuell zugeschnitten und bietet größere Heilungschancen auch von komplizierten Krankheitsbildern. Jede bösartige Geschwulsterkrankung wird während einer sogenannten Tumorboardsitzung besprochen und das Therapiekonzept festgelegt.

Chirurgie der entzündlichen Darmerkrankungen

Gemeinsam mit der Klinik für Gastroenterologie und Stoffwechselerkrankungen betreuen wir interdisziplinär Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen – zum Beispiel Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Divertikulitis.

Die Entzündung des Dickdarms, meist des absteigenden Teiles, ist häufig mit Komplikationen verbunden – von der entzündlichen Stenose bis hin zum Darmverschluss, von der Abszess- bis zur Fistelbindung. In diesen Fällen ist ein chirurgischer Eingriff angezeigt, der hohe Fachkompetenz erfordert.

Schilddrüsenchirurgie – das gesamte Spektrum

An unserer Klinik behandeln wir alle gut- und bösartigen Erkrankungen der Schilddrüse. Eine Indikation zur Operation ist bei einer Struma nodosa (Kropf) gegeben, ebenfalls bei einer Hyperthyreose (Überfunktion) und bei isoliertem „Kalten Knoten" mit Verdacht auf ein Karzinom. Vor der Operation veranlassen wir eine Sonographie (Ultraschall) zur Bestimmung des Schilddrüsenvolumens und zur Beurteilung der Knoten, eine Szintigraphie zur Beurteilung der Schilddrüsenaktivität und die Bestimmung der Schilddrüsenfunktionsparameter. Durch die elektrophysiologische Stimulation des Stimmbandnerves (N. recurrens), dem sogenannten Neuromonitoring, während der Operation wird eine Recurrenz-Verletzung mit Heiserkeit vermieden.

Colo-proktologische Operationen - an Darm und After

Im fortgeschrittenen Alter erkranken Menschen immer häufiger an Krankheiten des Dickdarms, Mastdarms oder des Analbereiches. In unserer chirurgischen Klinik behandeln wir:

  • Analfisteln
  • Analabszesse
  • Analfissuren
  • Innere und äußere Hämorrhoiden
  • Colorektale Polypen
  • Insuffizienz des Enddarmschließmuskels
  • Mastdarmvorfälle
  • Stomaversorgung und -beratung