Diagnostik

Moderne diagnostische Verfahren

Bildgebung

Im St. Josef Krankenhaus Essen-Werden bieten wir alle wichtigen allgemein-internistischen und speziellen rheumatologischen Untersuchungsmethoden an, die für die Diagnostik der verschiedenen rheumatischen Krankheitsbilder nötig sind:

  • Sonographie & Doppler-Sonographie
    • der Gelenke
    • der Sehnen
    • der Muskeln
    • der inneren Organe
    • der Blutgefäße
  • Kapillarmikroskopie der Blutgefäße an den Fingern

In Zusammenarbeit mit der Abteilung für diagnostische Radiologie:

  • Digitales Röntgen
  • Computertomographie
  • Kernspintomographie
  • Knochendichtemessung
  • Szintigraphie

Labor

Im Zentrallabor der beiden Werdener Kliniken, welches gemeinsam von den Abteilung für Hämatologie / Internistische Onkologie und Rheumatologie / Klinische Immunologie geleitet wird, bieten wir neben den labormedizinischen Standarduntersuchungen rheumatologisch-immunologische Spezialuntersuchungen, insbesondere eine umfassende Auto-Antikörperdiagnostik und Untersuchungen zum humoralem und zellulären Immunstatus an.

Auto-Antikörperdiagnostik und Immunstatus

Das Zentrallabor im St. Josef Krankenhaus Essen-Werden wird gemeinsam von den Kliniken für Hämatologie und Internistische Onkologie (Leiter: PD Dr. Peter Reimer) und für Rheumatologie und Klinische Immunologie geleitet. Hier führen wir rheumatologisch-immunologische Spezialuntersuchungen, insbesondere Auto-Antikörperdiagnostik und Untersuchungen zum Immunstatus, durch.

Jeder kennt das Wort „Rheuma“ und fast jeder meint zu wissen, was darunter zu verstehen ist. Dennoch rankt sich um diese „Volkskrankheit“ eine Unmenge an falschen Vorstellungen, die wir hiermit versuchen wollen auszuräumen. Die Annahme, dass Rheuma eine Krankheit des alten Menschen sei, ist ebenso falsch wie der Volksglaube, Rheuma werde u.a. durch feuchte Nässe verursacht. Auch die Vorstellung, ein Entzündungsherd im Körper (z.B. vereiterte Zähne oder Mandeln als sogenannter „Focus“) könne Rheuma verursachen, trifft nicht zu.

Wenn man von „Rheuma“ spricht, denken viele vor allem an schmerzhafte und geschwollene Gelenke. Rheuma kann aber auch innere Organe befallen. So kommt es bei den so genannten Kollagenosen („Bindegewebsrheuma“) z.B. zur Verhärtung der Haut, zu Nierenentzündung oder auch zum Schlaganfall. Zum besseren Verständnis dieser Erkrankungen haben in den letzten Jahren die rasch zunehmenden Erkenntnisse auf dem Gebiet der Immunologie entscheidend beigetragen.

Der Begriff „Rheuma“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet Fluss, Strömung und rührt von der Vorstellung der Antike her, dass fehlerhaft zusammengesetzte Körperflüssigkeiten an bestimmten, wechselnden Orten des Körpers (Gelenke, Organe etc.) zu einem Flüssigkeitsstau und damit zu einer schmerzhaften Entzündung führen. Sowohl unter Laien, als auch unter Fachleuten ist der Begriff „Rheuma“ und „Rheumatismus“ nicht eindeutig definiert, im Gegensatz zu dem Begriff „rheumatische Erkrankungen“, der wiederum nicht mit „rheumatischen Beschwerden“ gleichgesetzt werden darf.

Rheumatische Beschwerden zu haben, geben circa 50 Prozent der erwachsenen Einwohner der Bundesrepublik Deutschland an. Bei circa 20 Prozent aller Patienten, die einen Arzt aufsuchen, ist eine rheumatische „Störung“ zu diagnostizieren und der Anteil von Erkrankungen des Bewegungsapparates als Ursache von Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsrenten liegt bei circa 30 Prozent. Medikamente gegen rheumatische Beschwerden stellen seit Jahren die am häufigsten verordnete Medikamentengruppe in der Bundesrepublik Deutschland dar. Rheumatische Erkrankungen bzw. Störungen sind also zusammen mit Herz- und Lungenerkrankungen die häufigsten und volkswirtschaftlich auch kostenintensivsten Erkrankungen. Als chronische Erkrankungen stellen sie einen hohen Anteil aller, in der Bevölkerung anzutreffenden Krankheiten dar.

Die rheumatischen Erkrankungen können eingeteilt werden in:

  1. Verschleißbedingte („degenerative“) rheumatische Erkrankungen
  2. Entzündlich- rheumatische Erkrankungen
  3. Weichteil-rheumatische Syndrome
  4. Rheumatische Syndrome und Beschwerden bei sonstigen, nicht rheumatischen Erkrankungen

Krankheiten der Gruppe 2 werden auch als „rheumatische Erkrankungen im engeren Sinne“ den Krankheitsbildern der Gruppen 1, 3 und 4 gegenübergestellt.

Einteilung der häufigsten rheumatischen Erkrankungen in entzündliche und verschleißbedingte

entzündlichdegenerativ
Rheumatoide ArthritisFingerpolyarthrose
Chronische PolyarthritisHeberden-Arthrose (Fingerendgelenke)
SpondyloarthritidenBouchard-Arthrose (Fingermittelgelenke)
(entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen)Rhizarthrose (Daumensattelgelenk)
Psoriasis-ArthritisSpondylarthrose
Polymyalgia rheumaticaSpondylarthrose
Kollagenosen(Verschleißbedingte Wirbelsäulenerkrankungen)
VaskulitidenCoxarthrose
Gonarthrose
Osteoporose

Beschwerden am Bewegungsapparat sind vieldeutig. Sie reichen von harmlosen Befindlichkeitsstörungen bis zu schweren entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Jeder Patient mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung sollte zumindest zu Beginn der Erkrankung und danach in regelmäßigen Abständen durch einen internistischen Rheumatologen mitbetreut werden, weil nur so eine optimale medikamentöse und ergänzende Versorgung sichergestellt ist. Die Realität sieht anders aus: Die Diagnose wird meist erst gestellt, wenn bereits wertvolle Zeit für die Beeinflussung des Krankheitsverlaufs verloren gegangen ist. Und auch die Qualität der Behandlung bleibt in vielen Fällen hinter dem medizinisch Möglichen zurück, weil nur zehn bis 20 Prozent der Betroffenen die fachrheumatologische Betreuung überhaupt erreichen.

Die Deutsche Rheuma-Liga als führende Patientenorganisation, das Kompetenznetz Rheuma, die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie, die Arbeitsgemeinschaft Regionaler Rheumazentren und der Berufsverband Deutscher Rheumatologen sahen daher die dringende Notwendigkeit, die Patienten direkt über Sinn und Zweck, Möglichkeiten und Nutzen einer Mitbetreuung durch Rheumatologen zu informieren. Das Ergebnis ist eine Kurzbroschüre, die alle praktisch wichtigen Fragen rund um die fachrheumatologische Behandlung in leicht verständlicher Form beantwortet.

Wann sollte der Patient/die Patientin einen Rheumatologen aufsuchen und wann ist der Hausarzt der richtige Ansprechpartner? Reicht ein einmaliger Besuch beim Rheumatologen oder ist ein regelmäßiger Kontakt empfehlenswert? Welche Vorteile bietet die fachrheumatologische Betreuung dem Patienten und wie arbeiten Rheumatologen und Hausärzte zusammen? Zu all diesen Fragen finden Betroffene in der kleinen Broschüre eine klare und wissenschaftlich fundierte Antwort. Darüber hinaus bietet die Broschüre eine kurze Übersicht, was und womit Rheumatologen behandeln und welche Ausbildung man von einem Arzt, der sich „Rheumatologe“ nennt, erwarten darf. Die Broschüre kann angefordert werden bei:

Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V.
Maximilianstr. 14
53111 Bonn

Telefon 0228 76606-0
Telefax 0228 76606-20
E-Mail bv@rheuma-liga.de

Hier gibt es die Broschüre als pdf-Datei.

Das Gelenk ist eine bewegliche Verbindung zweier Knochen und besteht aus den benachbarten Knochenanteilen, der Gelenkfläche, die mit Knorpel überzogen ist, der Gelenkinnenhaut (Synovialis), welche die „Gelenkschmiere“ (Synovialflüssigkeit) bildet. Knorpel und Gelenkschmiere stellen ein Polster für die Verteilung der Gelenklast dar, insbesondere bei gewichtstragenden Gelenken; sie sind für den buchstäblich „reibungslosen“ Ablauf der Bewegung notwendig. Umgeben wird das Gelenk von der Gelenkkapsel, die innen ebenfalls mit Gelenkinnenhaut überzogen ist und außen durch Bindegewebe, Sehnen und Bänder verstärkt wird.

Bei einer Entzündung des Gelenkes wird mehr Synovialflüssigkeit gebildet, wodurch das Gelenk anschwillt und meist auch Schmerzen verursacht („Arthralgie“). Bei länger andauernder Entzündung kommt es zu einer Verdickung der Gelenkinnenhaut, welche schließlich zu einer Zerstörung des Knorpels führen kann und danach erst den Knochen selbst angreift. Dies führt zu chronischen Gelenkschmerzen und auf Dauer zu einer Gelenkzerstörung (Destruktion).

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen: Arthritis

Im Gegensatz zur Arthrose ist die Entzündung im Gelenk bei der Arthritis nicht die Folge der krankheitsbedingten Störung (Überbeanspruchung), sondern selbst Ursache der Gelenkzerstörung. Der erste, auslösende Faktor für diese Gelenkentzündung (woher kommt Rheuma?), ist aber bei keiner entzündlich-rheumatischen Erkrankung bekannt. Wenn somit die „Krankheitsursache“ noch im Dunkeln bleibt, so sind doch einige Schritte in der „Krankheitsentstehung“, also dem Ablauf der Erkrankung, geklärt.

Die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sind gekennzeichnet durch eine Störung des Immunsystems, das überaktiv geworden, unfähig ist, zwischen körpereigenen und körperfremden Strukturen zu unterscheiden und so zu Entzündungen und Zerstörungen von Gelenken („Arthritis“) aber auch von inneren Organen oder der Haut führen kann. Als mögliche Ursache der Störung im Immunsystem werden je nach Krankheitsbild unterschiedliche angeborene „Immunstörungen“ oder Veränderungen des Immunsystems durch äußere Einflussfaktoren wie auch Infektionserkrankungen verantwortlich gemacht.

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen sind somit immunologische Erkrankungen und da die immunologisch bedingte Entzündung über das Blut vermittelt wird und sich so im gesamten Körper niederschlagen kann (was wiederum den Begriff vom Rheuma der alten Griechen bestätigt), finden sich im Allgemeinen bei den meisten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen deutliche Entzündungszeichen im Blut, wie zum Beispiel eine erhöhte „Blutsenkung“. Als Ausdruck der gesteigerten Aktivität des Immunsystems kommt es bei verschiedenen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zur Bildung von bestimmten krankheitstypischen Bluteiweißen („Antikörpern“), wobei der sogenannte „Rheumafaktor“ nur einen von vielen möglichen Antikörpern darstellt.

Verschleißbedingte („degenerative“) rheumatische Erkrankungen: Arthrose

Die Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder jedes Menschen unterliegen einem natürlichen („physiologischen“) Alterungsprozess, der sich in langsam zunehmendem „Verschleiß“ und Entkalkung äußert. Zur Krankheit „Arthrose“ wird dies aber erst bei einem vorzeitigen bzw. zu starken Gelenkverschleiß, welcher durch verschiedene Faktoren begünstigt werden kann. Meist liegt der Arthrose ein chronisches Ungleichgewicht zwischen Belastbarkeit des Gelenkes und wirklicher Belastung zugrunde. Der glatte Knorpel, welcher eine schmerzfreie Bewegung des Gelenkes erlaubt, wird aufgebraucht und von „rauher“ Gelenkoberfläche ersetzt, was Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zur Folge hat. Letztendlich kann es zu einem direkten Kontakt der gegenüberliegenden Knochenflächen kommen, schmerzhafter „Abrieb“ und Deformierungen der Gelenke sind die Folge.

Begünstigende Faktoren für eine Arthrose können unterteilt werden in solche, die auf der einen Seite die Belastbarkeit des Gelenkes selbst verschlechtern und solche, die auf der anderen Seite die effektive Belastung des Gelenkes erhöhen.

Eine verminderte Belastbarkeit liegt dann vor, wenn die Gelenkfläche nicht gleichmäßig bzw. nicht vollständig belastet wird, z.B. bei angeborenen Fehlstellungen oder Entwicklungsstörungen der Gelenke oder bei erworbenen Gelenkdeformitäten wie z.B. durch Knochenbrüche, die bis in das Gelenk reichen. Die Belastbarkeit eines Gelenkes kann auch bei höhergradiger Entkalkung („Osteoporose“) der gelenknahen Knochenanteile vermindert sein oder bei einer Vorschädigung durch eine Gelenkentzündung (Arthritis), welche – auch nach Ausheilung – sekundär zu einer Arthrose führen kann.

Eine übermäßige Belastung der Gelenke liegt z.B. vor bei starkem Übergewicht des Patienten oder einseitiger beruflicher oder sportlicher Beanspruchung eines Gelenkes sowie bei verschiedenen Stoffwechsel- und neurologischen Erkrankungen, die auf Grund von Gewebsablagerungen oder Fehlbelastungen zu einem vorzeitigen Verschleiß der Gelenke führen können.

Da die Belastung einen wesentlichen Faktor in der Entstehung der Arthrose darstellt, wird der Gelenkverschleiß vorwiegend an denjenigen Gelenken beobachtet, die der stärksten Gewichtsbelastung des menschlichen Körpers ausgesetzt sind (Wirbelsäule, Hüftgelenke, Kniegelenke, einzelne Gelenke des Fußes).

Typischerweise kommt es bei Beginn einer Arthrose zu einer sogenannten „rezidivierenden Gelenksteife“, d.h. immer dann, wenn der Patient das betreffende Gelenk, auch für relativ kurze Zeit nicht benutzt hat: zum Beispiel beim Kniegelenk, wenn er im Sitzen Zeitung liest, sind die ersten Bewegungen beim Laufen schmerzhaft und verschwinden dann nach einigen Schritten. Kälte wird meist als unangenehm, Wärme als angenehm empfunden, längere Bewegung ohne Belastung (Schwimmen, Radfahren) ist ein gutes Gelenktraining und führt zu weniger Beschwerden als eine Beanspruchung mit Belastung (Laufen, Wandern). In fortgeschrittenen Stadien steht, neben einem dauernden Bewegungsschmerz (arthrotische Gelenke sind in Ruhe nicht schmerzhaft), die meist deutlich eingeschränkte Beweglichkeit und Deformierung des Gelenkes im Vordergrund.

Es gibt auch Arthrosen im Bereich der Hände, welche vorwiegend die Fingerend- und Mittelgelenke bzw. das Daumengrundgelenk betreffen, oft zu kleinen knotigen Auftreibungen dieser Gelenke führen und als sogenannte „idiopathische“ Fingerpolyarthrose bezeichnet werden. Idiopathisch deshalb, weil für diese Form des Gelenkverschleißes keine Ursache, wie die Gelenküberlastung bei den anderen Arthrosen, bekannt ist. Erfahrungsgemäß ist aber auch die Fingerpolyarthrose ein gesteigerter Alterungsprozess der betroffenen Gelenke, welcher erst im mittleren bis höheren Lebensalter und häufiger bei Frauen als bei Männern auftritt. Wegen der knotigen Auftreibungen wird die Fingerpolyarthrose vom Laien häufig mit der Gicht oder mit „Rheumaknoten“ verwechselt.

Chronische Polyarthritis (cP) / rheumatoide Arthritis (rA)

Die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung ist die chronische Polyarthritis, welche auch rheumatoide Arthritis genannt wird und durch eine lang andauernde, meist in Schüben verlaufende („chronische“) Entzündung vieler Gelenke („Polyarthritis“) gekennzeichnet ist und je nach Schwere und Aktivität der Erkrankung bzw. unbehandelt fortschreitend verläuft und zu einer Zerstörung der Gelenke und damit auch deren Funktion führen kann.

Typisch für diese Erkrankung ist der auch schon in der Anfangsphase der Erkrankung erkennbare symmetrische Befall der Fingergrund- und -mittelgelenke sowie der Handgelenke, welche schmerzhaft, prall elastisch geschwollen und zum Teil überwärmt sind, eine sogenannte Morgensteife aufweisen und bei zunehmender Gelenkzerstörung zu einer charakteristischen Fehlstellung der Finger und Hände führen kann, was mitunter deutliche Behinderungen im Alltag der Patienten zur Folge hat. Die Fingerendgelenke sind praktisch nie betroffen, was ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber der Fingerpolyarthrose oder der Arthritis bei Schuppenflechte (Psoriasis Arthritis) darstellt. Häufig sind dagegen die Zehengrundgelenke betroffen, selten bzw. erst nach langjährigem Verlauf große Gelenke wie die Knie oder Schultern.

Frauen erkranken an der chronischen Polyarthritis häufiger als Männer (Verhältnis etwa 3:1). Neben dem Vorliegen von allgemeinen Entzündungszeichen im Blut lässt sich in ca. 80 Prozent der Fälle der so genannte „Rheumafaktor“ nachweisen. Seit kurzem gibt es noch einen genaueren „Rheumafaktor“, die sogenannten CCP-Antikörper. Ist die Erkrankung diagnostiziert, sollte auch möglichst frühzeitig eine entsprechende Behandlung einsetzen, um den Grad der Gelenkzerstörung und daraus folgend der Behinderung für den Patienten möglichst gering zu halten.

Eine weitere häufige entzündlich-rheumatische Erkrankung ist der sogenannte Morbus Bechterew (oder ankylosierende Spondylitis), bei dem es sich um eine zur Versteifung führende Entzündung der Wirbelsäule und der Kreuzdarmbeingelenke im Bereich des Beckens handelt. Meist verläuft die Wirbelsäulenversteifung von unten nach oben, wobei sie auf jedem Niveau zum Stillstand kommen kann, so dass nur beim Vollbild der Erkrankung die charakteristische Wirbelsäulenverkrümmung erkennbar wird (siehe Abbildung). Bei weniger ausgeprägten Formen, die man als Spondyloarthritiden bezeichnet, sieht man erst bei der Vornüberbeugung eine Steifigkeit der Lendenwirbelsäule. Bei aktiven Verläufen dieser entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen oder im „Krankheitsschub“ kann es auch zu einer Arthritis von peripheren Gelenken (Knie-, Hüft-, Hand-, Sprunggelenken und einzelnen Finger- oder Zehengelenken) kommen.

Die Beschwerden beim M. Bechterew sind recht typisch in Form von tiefsitzenden Rückenschmerzen, oft in das Gesäß ausstrahlend, welche meist erst in Ruhe, d.h. nach längerem Sitzen, Stehen oder Liegen, auftreten und so zum Beispiel auch häufig zu nächtlichem Erwachen führen. Auch hier wird insbesondere morgens eine Steifigkeit der Wirbelsäule von den Patienten empfunden. Typisch ist auch, dass sich diese entzündlichen Rückenschmerzen bei Bewegung meist deutlich bessern. Im Gegensatz hierzu sind die Beschwerden beim Wirbelsäulenverschleiß eher bei Bewegung verstärkt und bessern sich in Ruhe.

Der Morbus Bechterew wird deutlich häufiger bei Männern als bei Frauen beobachtet (Verhältnis circa 8:1). Dies ist aber vor allem dadurch bedingt, dass bei Frauen diese Erkrankung sehr viel leichter verläuft und meist nur zu einer leichten Entzündung der Kreuzdarmbeingelenke oder der unteren Wirbelsäulenabschnitte führt, was – wenn überhaupt – nur eine geringe Versteifung der Wirbelsäule zur Folge hat und deshalb häufig gar nicht erkannt wird. Berücksichtigt man auch diese leichten Formen des Morbus Bechterew, beträgt das Verhältnis von Männern zu Frauen nur noch circa 4:1.

Über 90 Prozent der Patienten mit einer ankylosierenden Spondylitis weisen einen speziellen Erbfaktor im Blut (HLA-B27) auf, den circa zehn Prozent aller (also auch der gesunden) Europäer haben. Andererseits gibt es auch einen geringen Prozentsatz von Bechterew-Kranken, welche dieses Erbmerkmal nicht aufweisen. Durch die Assoziation mit dem HLA-B27, welches von den Eltern auf die Kinder (in meist 50 Prozent der Fälle) weitervererbt wird, ist auch verständlich, warum diese Erkrankung oft familiär gehäuft auftritt, wobei deren Ausprägungsgrad deutlich schwanken kann.

Typische Begleiterkrankungen des Morbus Bechterew sind bestimmte Augenentzündungen (Iridocyclitis), Schuppenflechte (Psoriasis) oder chronische Darmentzündungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa).

Bei Patienten mit diesem Erbmerkmal kommt es auch zu sogenannten „reaktiven Arthritiden“. Dieses sind Entzündungen einzelner peripherer Gelenke, welche durch eine überschießende Abwehrreaktion des Körpers auf eine Infektion mit Bakterien, z.B. bei Durchfallerkrankungen oder Blasenentzündungen, entstehen.

Um der Wirbelsäulenversteifung beim Morbus Bechterew vorzubeugen, ist die möglichst frühzeitige und regelmäßige Durchführung krankengymnastischer Bewegungsübungen, die der Patient in Form eines Übungsprogrammes erlernt und dann selbstständig durchführen kann, äußerst wichtig, zumal hierdurch auf Dauer auch die Schmerzen günstig beeinflusst werden.

Kollagenosen sind Autoimmunerkrankungen

Bei den „entzündlichen Bindegewebserkrankungen“, den sogenannten Kollagenosen, stellen Gelenkentzündungen meist nur ein relativ harmloses gemeinsames Symptom dieser Erkrankungen dar, welche eher dadurch gefährlich werden können, dass sich als Folge einer gesteigerten Aktivität des Immunsystems Antikörper und Abwehrzellen im Blut gegen körpereigenes Gewebe richten. Deshalb werden diese Erkrankungen auch als „Autoimmunerkrankungen“ (auto = selbst) bezeichnet. Im Blut von Patienten mit Kollagenosen findet man praktisch immer antinukleäre Antikörper (ANA).

Neben den Gelenken werden bei diesen Erkrankungen häufig die Haut, Muskeln und innere Organe betroffen, so dass es zu Entzündungen und eventuelle auch zu Organschädigungen kommen kann. Bei allen Kollagenosen gibt es deutliche Unterschiede im Schweregrad und Aktivität der Erkrankung, so dass keine grundsätzliche Prognose gestellt werden kann.

Systemischer Lupus erythematodes (SLE)

Die häufigste Kollagenose mit sogenannten „antinukleären Antikörpern“ (ANA) ist der systemische Lupus erythematodes (SLE, Schmetterlingsflechte), bei dem es zu sehr vielfältigen Symptomen kommen kann. Deshalb wird diese Erkrankung auch als das „Chamäleon“ der Medizin bezeichnet. Den Namen „Schmetterlingsflechte“ hat diese Erkrankung wegen eines häufig auftretenden rötlichen („erythematösen“) Hautausschlages, der sich schmetterlingsförmig über Wangen und Nase im Gesicht verteilt und oft durch Sonnenlicht ausgelöst oder verstärkt wird. Gelenkentzündungen sind zwar recht häufig, führen aber im Gegensatz zu den bisher genannten Erkrankungen nicht zur Zerstörung der Gelenke. Öfter kommt es zu einer Entzündung des Rippenfelles oder Herzbeutels mit „Wasserbildung“ („Pleuritis“ und „Pericarditis“).

Bei schwerer Erkrankung oder unzureichender Therapie treten auch Entzündungen des Gehirns mit vielfältigen neurologischen Symptomen oder Entzündungen der Nieren hinzu. Durch Antikörper, die sich auf rote oder weiße Blutkörperchen bzw. auf die Blutplättchen setzen und eine Zerstörung dieser Zellen bewirken, kann es zu einer Verminderung dieser Zellen im Blut kommen.

Viele Patienten haben bei Krankheitsbeginn nur Allgemeinsymptome, wie z.B. Abgeschlagenheit, Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme und Appetitlosigkeit. Kommen dann Gelenkentzündungen oder die charakteristischen Hautveränderungen hinzu, kann meist die Diagnose schon vermutet und anhand entsprechender Blutuntersuchungen gesichert werden. Da die Beteiligung der inneren Organe und des Blutes zu Anfang aber oft symptomarm verläuft und Hautveränderungen auch fehlen können, kann man den Lupus auch leicht „übersehen“.

Sklerodermie

Bei der Sklerodermie (systemische Sklerose) kommt es zu einer typischen Verhärtung („Sklerose“) der Haut (griech.: „Derma“), wodurch diese „zu eng“ wird. Meist beginnt diese an den Fingern und im Bereich des Mundes und kann sich dann weiter ausdehnen, wobei Schwere und Ausmaß im Einzelfall einen höchst unterschiedlichen Verlauf aufweisen. Von dieser entzündlichen Gewebsverhärtung können auch innere Organe (Speiseröhre, Lunge, Niere) betroffen sein.

Polymyositis und Dermatomyositis

Bei der Polymyositis oder Dermatomyositis kommt es neben Gelenk- und Hautsymptomen vor allem zu Muskelentzündungen, die nur wenig schmerzhaft sind, aber unerkannt zu einer zunehmenden Muskelschwäche führen können.

Sjögren Syndrom

Beim Sjögren Syndrom kommt es – ebenfalls durch Autoantikörper – zu einer Entzündung und später auch zu einem Funktionsverlust der Sekretdrüsen im Bereich der Ohr- und Mundspeicheldrüsen sowie der Tränendrüsen. Hieraus resultieren Mund- und Augentrockenheit, die Hauptsymptome dieser Kollagenose. Manchmal sind auch die Schleimdrüsen der oberen Atemwege betroffen, so dass es zu Reizhusten und gehäuften Bronchitiden kommen kann.

Das Sjögren Syndrom ist eng verwandt mimt dem Lupus erythematodes. Überlappungs- und Übergangsformen dieser beiden Kollagenosen sind nicht selten.

Die sogenannte Polymyalgia rheumatica wird ebenfalls zu den entzündlich rheumatischen Erkrankungen gerechnet; bei ihr kommt es zu entzündlichen Veränderungen der Muskulatur über eine Entzündung einzelner Blutgefäße (Arterien). Gelenke sind hiervon nicht oder nur wenig betroffen (Handgelenke) bzw. erst durch die mangelnde Bewegung schmerzhaft eingesteift (Schultern). Charakteristisch für die Polymyalgia rheumatica sind ausgeprägte Muskelschmerzen im Bereich der Oberarme und Oberschenkel, die dann auch zu einer Muskelschwäche führen.

Im Blut dieser praktisch immer deutlich über 60-jährigen Patienten finden sich immer ausgeprägte Entzündungszeichen, aber keine bislang bekannten speziellen Antikörper.

Therapeutisch ist bei diesem Krankheitsbild eine zunächst hoch dosierte und dann über lange Zeit niedrig dosierte Cortisonbehandlung unumgänglich, da diese Erkrankung unbehandelt zu einer Beteiligung von Gefäßen des Auges oder des Gehirns mit entsprechendem Funktionsausfall dieser Organe neigt.

Die Psoriasisarthritis (Arthritis psoriatica, PsA) ist eine Arthritis der peripheren Gelenke bei Patienten mit einer Psoriasis der Haut oder Nägel. Die Psoriasis geht den rheumatischen Manifestationen meist voraus, selten tritt sie gleichzeitig mit ihnen auf, noch seltener folgt sie nach. Für die PA charakteristisch ist die Beteiligung der Endgelenke der Finger und Zehen („Transversalbefall“) oder eine Arthritis hintereinander liegender Gelenke eines Fingers („Strahlbefall“, Daktylitis).

Röntgenologisch imponieren gleichzeitig destruierende und osteoproliferative Veränderungen. Am häufigsten ist die periphere Form der PA mit asymmetrischer Oligo- oder Polyarthritis mit Befall der kleinen Fingergelenke (siehe Abbildung).

Es gibt auch eine axiale Form (Spondyarthritis psoriatica) mit Iliosakralarthritis und Spondylitis (Parasyndesmophyten), die auch zu den Spondyloarthritiden zu rechnen ist und auf einer erhöhten Koinzidenz der Psoriasis mit dem Morbus Bechterew beruht. Mischformen sind durch die gleichzeitige Manifestation an Gelenken und Wirbelsäule gekennzeichnet. Der Verlauf ist sehr variabel.

Man unterscheidet die primär-systemischen Vaskulitiden (pSV), wenn diese als eigenständiges Krankheitsbild auftreten, von sekundären Formen bei anderen Erkrankungen (z.B. auch bei Kollagenosen). Auch wenn bestimmte Vaskulitiden, wie z.B. die Arteriitis temporalis oder die Takayasu Arteriitis klinisch mehr oder weniger lokalisiert auftreten, deuten die praktisch regelhaft zu findenden ausgeprägten Entzündungszeichen im Blut auf den systemischen Charakter dieser Erkrankungen mit potenzieller Multiorganbeteiligung (HNO-Trakt, Augen, Gelenke, Haut, Nieren, Lunge, Herz, Gehirn, Gastro-Intestinaltrakt etc.) hin.

Prinzipiell sind die klinischen Symptome der Vaskulitiden gekennzeichnet von der Gewebsschädigung infolge der vom Gefäß ausgehenden Entzündung und der dadurch bedingten mangelnden Durchblutung. Neben den typischen, oft mosaikhaften Krankheitsmanifestationen stehen unspezifische Allgemeinsymptome und systemische Entzündungszeichen wie Fieber, Gewichtsverlust, Leistungsminderung im Vordergrund.

Seit der Entdeckung der anti-cytoplasmatischen Granulocyten Antikörper (ANCA) Ende der 80er-Jahre und ihrer spezifischeren Subtypen kann man diese Erkrankungen wesentlich früher diagnostizieren.

Die Wegener´sche Granulomatose (WG) ist die häufigste der primär systemischen Vaskulitiden und weist in der systemischen Form regelhaft die oben genannten ANCA (c-ANCA) auf. Typisch ist das Auftreten geschwüriger Entzündungen im Bereich von Hals, Nase, Ohren und Augen, Ausbildung entzündlicher Veränderungen in der Lunge sowie eine Entzündung der Nieren mit Störung der Nierenfunktion. Unbehandelt kann die Erkrankung lebensbedrohend sein.

Die mikroskopische Polyangiitis (mPAN) konnte nicht zuletzt aufgrund der auch hier zu findenden ANCA (in diesem Falle sog. p-ANCA) als dem Morbus Wegener verwandte Vaskulitis erkannt werden. Die Behandlung der beiden Krankheitsbilder ist auch weitgehend gleich.

Das Churg-Strauss-Syndrom beschreibt eine Vaskulitis, die ebenfalls verschiedene innere Organe befallen kann und der meist jahrelang eine (deutliche) Allergieneigung (Asthma) vorausgeht. Regelhaft findet sich eine Vermehrung der sogenannten eosinophilenweißen Blutkörperchen. ANCA sind hier nicht so oft zu finden wie bei den beiden anderen Erkrankungen.