Therapie

Von der Basistherapie bis hin zur OP

Die Indikationsstellung und Einleitung aller modernen medikamentösen Rheumatherapien (sogenannte Basistherapie, immunmodulatorische und immunsuppressive Therapien) gehören ebenso zu unserem Aufgabengebiet, wie deren Überwachung im Hinblick auf Nebenwirkungen und gewünschten Therapieerfolg. Hierzu gehört auch die bessere Information der Rheumapatienten, die wir in Form einer regelmäßigen Patientenschulung durchführen.

Neben der lokalen Injektionsbehandlung einzelner Gelenke vervollständigen die verschiedenen operativen Verfahren das Repertoire einer modernen Rheumatherapie. Diese wird in Zusammenarbeit mit der Orthopädischen Universitätsklinik Essen (Leiter: Prof. Dr. Marcus Jäger) durchgeführt, die ebenfalls in Essen-Werden angesiedelt ist. Gerade für die oft sehr speziellen Probleme der Rheumapatienten hat sich eine enge Kooperation zwischen internistischen und orthopädischen Rheumatologen sehr bewährt.

Stationäre Behandlung für besondere Fälle

Komplexe rheumatologische Fragestellungen, schwere Krankheitsverläufe oder unklare Symptome sind Grund für eine stationäre Diagnostik und Behandlung von Patienten in der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie. Hierfür stehen 30 Betten auf den Stationen IM2 und IM3 zur Verfügung (Zwei- und Dreibettzimmer). Auf der gemeinsamen internistischen Intensivstation (elf Betten) werden im Bedarfsfall schwerkranke Rheumapatienten behandelt.

Rheumaambulanz

Für ambulante Untersuchungen können Patienten von ihrem Hausarzt oder Facharzt in unsere Rheumaambulanz überwiesen werden, die an vier Tagen pro Woche vormittags abgehalten wird. Hier erfolgen Untersuchungen zur Frage, ob überhaupt eine rheumatische Erkrankung vorliegt und – wenn ja – wie diese behandelt werden kann. Oft geht einer stationären Aufnahme eine ambulante Untersuchung voraus oder es erfolgen nach der Entlassung hier ambulante Kontrolluntersuchungen.

Bei chronisch Rheumakranken kann so in unserer Rheumaambulanz auch eine kontinuierliche rheumatologische Betreuung mit Krankheits- und Therapieüberwachung in regelmäßigen Abständen (meist alle drei bis sechs Monate) in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt erfolgen.

Unterstützung durch Krankengymnastik und Physikalische Therapie

Die Abteilung für Krankengymnastik und Physikalische Therapie gehört zur Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie. Hier werden unsere stationären Patienten von fachkompetenten und auf rheumatologische Krankheitsbilder spezialisierten Physiotherapeutinnen und -therapeuten behandelt.

Physikalische Therapie

Die physikalische Therapie ist eine eigenständige Behandlungsform im Zusammenspiel mit anderen Therapieverfahren rheumatischer Erkrankungen. Die Hauptaufgaben der physikalischen Therapie in der Behandlung rheumatischer Erkrankungen sind:

  • Funktionsverbesserung (Kraft, Beweglichkeit, Koordination)
  • Muskeldetonisation
  • Verbesserung von Durchblutung und Trophik
  • Verhütung und Korrektur von Fehlstellungen
  • Einsparung symptomatischer Medikation
  • Schmerzlinderung, Entzündungsdämpfung
  • Prävention, Rehabilitation, Vor- und Nachbehandlung rheumaorthopädischer Eingriffe

In Abhängigkeit vom jeweiligen Krankheitsbild und dem lokalen Befund wird die physikalische Therapie in der Behandlung rheumatischer Erkrankungen häufig zur symptomatischen Therapie eingesetzt. Voraussetzung ist eine eingehende Befunderhebung mit einer genauen Analyse der Symptomatik. Entzündungen (akut, chronisch), Schmerzen (Belastungsschmerz, Ruheschmerz, Weichteilschmerz, Nervenschmerz, algodystrophischer Schmerz etc.), Bewegungsstörungen (arthrogen, neuro-myogen etc.) oder muskuläre Dysfunktionen (Muskelhypertonus, Muskelschwäche etc.) müssen differenziert und gezielt einer entsprechenden Therapie zugeführt werden.

Das Team der Abteilung für Krankengymnastik und Physikalische Therapie (unter der Leitung von Isabell Degen) umfasst sechs staatlich geprüfte und in der Diagnostik und Therapie rheumatischer Erkrankungen speziell ausgebildete Physiotherapeuten. In Abstimmung mit den Ärzten der Rheumatologie werden unsere stationären Rheumapatienten hier fach- und sachkundig physiotherapeutisch betreut. Die nachfolgenden Ausführungen geben einen kurzen Überblick über die verschiedenen Formen der angebotenen physiotherapeutischen Maßnahmen.

Krankengymnastik

Krankengymnastik ist die planmäßige, gezielte Anwendung von Bewegungsübungen mit dem Ziel, Schäden an den Bewegungsorganen zu begegnen und funktionelle Defizite auszugleichen. Die unterschiedlichen Behandlungstechniken werden durch die jeweiligen Therapieziele bestimmt. Aufgaben und Behandlungsziele der Krankengymnastik bei rheumatischen Erkrankungen sind:

  • Verbesserung und Erhalt der Funktion der Bewegungsorgane
  • Kräftigung und Entspannung der Muskulatur
  • Verbesserung der Trophik
  • Schmerzlinderung
  • Koordinations- und Ausdauertraining
  • Gelenkschutz
  • Haltungsschulung
  • Vor- und Nachbehandlung rheumaorthopädischer Eingriffe

Zu den Grundformen der Behandlung gehören passive Maßnahmen (Lagerungen, Extensionen – auch im Wasser), passive Bewegung unter Aufhebung der Schwerkraft, Sonderformen mit Schüttelungen, Vibrationen, Dehnungen etc., kombinierte passiv-aktive Bewegungsübungen und aktive Bewegungstherapie (isometrisches Training, frei aktive, unterstützte aktive [assistive], gegen Widerstand durchgeführte [resistive] Übungen). In der Praxis ergeben sich fließende Übergänge und Kombinationen der verschiedenen Formen.

Aus den Grundformen sind eine Vielzahl unterschiedlicher Behandlungstechniken entstanden, die mit und ohne Einsatz von Hilfsmitteln und Geräten unterschiedliche Therapieziele verfolgen:

  • Gelenkmobilisation (z.B. manuelle Therapie, postisometrische Relaxation etc.)
  • Stabilisation (z.B. Stemmführung nach Brunkow, Brügger Wirbelsäulen und Gelenkstabilisation, Gelenkschutz etc.)
  • Komplexbewegungen (funktionelle Bewegungslehre nach Klein-Vogelbach), Krankengymnastik auf neurophysiologischer Grundlage (PNF, Bobath, Vojta, Brügger-Konzept, Maitland-Konzept, McKenzie-Konzept etc.)
  • Atemtherapie (z.B. kombinierte Ein- und Ausatemtechnik, Giebel-Rohr, Kombination mit Thoraxdehnübungen etc.)

Prinzipien einer krankengymnastischen Behandlung sind die korrekte Befunderhebung (Status und Funktion der Bewegungsorgane) und die Definition des Behandlungszieles vor Beginn der Therapie. Die Schmerzgrenze muss beachtet werden. Einbeziehung von benachbarten Gelenken und Vermeidung einseitiger Übungen (Wechsel von Lockerung und Kräftigung!) sowie von Ausweich- und Fehlbewegungen. Notwendig ist eine exakte Instruktion. Eine Überforderung des Patienten darf es nicht geben. Das Behandlungsergebnis wird verbessert, wenn ein einfaches häusliches Übungsprogramm angeleitet wird. Die Verordnung von Krankengymnastik ist ärztliche Aufgabe, die Auswahl und Durchführung geschieht in enger Abstimmung durch Krankengymnasten/Physiotherapeuten.

Manuelle Therapie

Die manuelle Therapie nutzt für Diagnostik und Therapie von Funktionsstörungen am Bewegungsapparat definierte Handgriffe und differenzierte manuelle Techniken (Weichteiltechniken, Mobilisationen). Angriffspunkte sind funktionelle, reversible Störungen im Regelkreis Gelenkspiel – nozizeptive Afferenz – motorische Efferenz – Schmerzempfindung.

Massage

Massage beeinflusst den Muskeltonus (klassische Massage) und wirkt reflektorisch (Bindegewebsmassage) auf Funktion und Durchblutung innerer Organe ein. Methodisch lassen sich klassische manuelle Massagen, Reflexzonenmassagen (Bindegewebsmassage), apparative Massagen und die manuelle Lymphdrainage unterscheiden. Bei akuten Gelenkentzündungen dürfen diese Regionen nicht behandelt werden. Das Behandlungsziel ist für die Auswahl der Massageart bestimmend (unterschiedliche Wirkprinzipien). Massagen eignen sich gut zur Kombination mit anderen Physiotherapieformen. Massagen werden seriell durchgeführt, wenn die Indikation geeignet ist. Dauerbehandlungen sind sinnlos.

Kältetherapie

Therapeutisch erwünschte Kältewirkungen sind eine ausgeprägte Schmerzlinderung, antiphlogistische Effekte (vorwiegend bei akuten Entzündungen), Muskeldetonisation (bei längerfristiger Kälte), Ödemhemmung, Blutungsstillung und bei kurzzeitiger Anwendung die Auslösung einer reaktiven Hyperämie. Unerwünschte Reaktionen in Form von Gefäßspasmen können ausgelöst werden.

Indikationen für eine Kältetherapie in der Behandlung rheumatischer Erkrankungen sind:

  • akute Arthritiden (unabhängig von der Ursache) einschließlich Gichtanfall
  • aktivierte Arthrosen
  • akute Periarthropathien, akute Bursitiden und Epikondylopathien
  • Reflexdystrophie im Stadium I (vorsichtig dosiert)
  • postoperativ nach rheumaorthopädischen Eingriffen
  • Gelenkblockierungen (in Kombination mit Mobilisationen)
  • chronische Tendomyosen, schlaffe Paresen bei rheumatoider Neuropathie (nur Kurzzeitanwendungen mit Krankengymnastik)

Wärmetherapie

Indikationen für Wärmeanwendungen in der Behandlung rheumatischer Erkrankungen sind:

  • Weichteilrheumatische Beschwerden (Tendomyosen, Tendinosen, Insertionstendinosen, Fibroostosen, chronische Periarthropathien etc.)
  • Arthrosen (cave aktivierte Arthrose!)
  • degenerative Wirbelsäulenveränderungen
  • chronische Arthropathien